.: Ein Hund namens Katze :.

Ein Hund namens Katze von Vanessa Flentje
Ein Hund namens "Katze"
die wahre Geschichte der Pauline
Das alles geschah im Mai des Jahres 2000. Höre die Geschichte eines Tierheiminsassens

Pauline zittert... der ganze ausgemergelte, ausgehungerte Körper bebt... vor Freude. Sie rammt ihre Schnauze in das Gitter der Tür. Da sind Menschen ! Menschen kommen ins Tierheim!! Pauline ist außer sich! Sie tobt und quietscht... aber die Menschen gehen vorbei. Alle...
Pauline rollt sich wieder wie ein kleines ängstliches Kätzchen in ihrer Ecke zusammen. Sie liegt dort zwischen ihrem eigenen Abfall, weil sie sich kaum traut mit den anderen raus zu gehen und weil sie es in letzter Zeit kaum darf. Sie hat eigentlich nur Angst, Angst davor, dass man ihr wieder weh tut. Dass andere Hunde sie verletzen; deshalb beisst sie manchmal... nur um sich zu verteidigen. "Die ist ja schrecklich aggressiv" hört sie Menschen sagen... Aber sie versteht den Sinn nicht. Sie bekommt Prügel wenn sie beißt und weil sie Prügel bekommt beisst sie... und als Strafe darf sie nicht mehr oft raus. Aber warum sie das tut... danach fragt nie jemand.

Pauline war nicht immer hier...hier im Tierheim. Sie kann sich kaum noch erinnern, wo sie als erstes war. Wer waren ihre Menschen? Sie weiß es nicht mehr so genau. Denn 8 Monate im Knast machen einen ganz schön fertig. Davor war sie bei verschiedenen Menschen. Drei verschiedene Familien hat sie gesehen; keiner wollte sie wirklich. Pauline war zuletzt ein Scheidungskind. Alles packten sie zusammen... ihre letzten Menschen. Aber für sie - für den Hund namens Katze ( denn der Name passt zu ihr ) war kein Platz mehr zwischen all den Koffern und Kisten die sie aus der Wohnung schleppten. Außerdem will keiner einen Hund behalten der sich eher wie eine Katze vehält... So graziös umherschleicht... und nicht eine Spur auf die Wohnung aufpasst. Ins Tierheim brachten sie sie. "Dort wird es ihr gut gehen, bei uns ist wirklich kein Paltz mehr für sie" redeten sie über sie. Dachten sie. Die waren sie los.

Seit dem springt Pauline immer wieder ans Gitter der Tür ihres kleinen Gefängnisses, in der Hoffnung, dass jemand sie mitnimmt. Aber nie kommt jemand zu ihr... immer gehen alle nur zu Laika, zu Soleil oder ihren anderen Nachbarn... manchmal wird einer von ihnen mitgenommen... Kinder sind dann meist dabei " Papa, Papa kaufst Du mir den da?" brüllen sie. Pauline hält ich die Ohren zu und schliesst die Augen, weil sie die Kinder nicht mehr sehen mag...und ihre Eltern auch nicht.Und dabei mag sie Kinder doch so gern.Aber nie redet einer von ihr...
Manchmal gehen ihre Freunde und Nachbarn aber auch mit einem der Tierpfleger mit... und kommen niemals zurück... noch lange gellen ihre Schreie in Paulines Ohren. Sie hat Angst davor mit den Pflegern mit zu gehen, und bleibt deshalb oft den ganzen Tag lang drin.

Aber eines Tages ist alles anders. Ein Ehepaar kommt und geht an allen Hunden vorbei... auch an Pauline. Pauline hat es inzwischen aufgegeben ans Gitter zu springen. Traurig liegt sie in ihrer Box... "Lass uns am Samstag noch mal wieder kommen... mit Nessa" hört sie die Menschen reden und sie blickt auf. Die Menschen sehen sehr freundlich aus und sie sehen genau vor ihrer Box. Kann das wahr sein? Sie streicheln sie durch das Gitter und dann gehen sie weg. Was ist mit Samstag? Kommt ihr wirklich zurück?? fragt Pauline sich.

Am nächsten Samstag ist die Freude groß! Sie haben ihr versprechen gehalten! Sie sind wieder da! Pauline weiß sich kaum zu bewegen vor lauter Freude... und sie haben ein Mädchen und eine alte Dame mitgebracht. Alle vier streicheln sie durch die Box und das Mädchen und die alte Dame sagen dass sie unglaublich süß sei! Pauline möchte in die Luft springen vor lauter Freude! Dann kommt ein Pfleger mit einer Leine. Nicht der!! Oh nein!! Aber dann fällt Pauline ein, dass sie wohl nur zu den Menschen vor ihrer Box rauskommen soll, damit sie sie sehen und begutachten können und sie lässt sich anleinen. Die Menschen sehen sie lange an. Nie wird Pauline das leuchten in den Augen ihrer neuen Menschen vergessen, und wie das Mädchen sagt, wie egal ihr die Meinungen anderer Leute sind die besagen, wie schrecklich Pauline manchmal ist. Sie führt Pauline an der Hand über den Innenhof und an der Strasse entlang und krault sie. Wie sehr sie das genießt... Paulines neue Menschen unterschreiben ein paar Zettel... es dauert ewig lang, aber dann darf Pauline, die jetzt Laila heißt ins Auto steigen und mit ihren Menschen - der Familie F. - nach Hause fahren... nie wieder soll das Tierheim sie wiedersehen.


Heute lebt Laila schon über 2 Jahre bei uns; sie ist bei uns glücklich und bis auf ihre gelegentlichen Macken ist sie der beste Hund den man sich vorstellen kann!
Auch wenn an ihr eine super Katze verloren gegangen ist!

Geschrieben im September 2002 von Vanessa Flentje

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